2 Stunden, an der Kanti
verfasst von Tijana, in Zusammenarbeit
Heute hatten wir endlich unsere erste Probe. Wir haben uns entschieden, mit dem Prologos zu beginnen, da wir gleich einen perfekten Termin gefunden haben, an dem Jenny und Shedea beide nicht verhindert waren. Der Prologos ist von der Länge her eher kurz und daher dachten wir, dass dies doch die perfekte Szene für den Anfang wäre. Ich muss zugeben, dass ich ein klein wenig nervös war. Schliesslich weiss ich nur wie es sich anfühlt ein Schauspielerin zu sein und nicht noch Regisseur dazu. Zum Glück war jedoch Jenny dabei. Sie hat die ganze Stimmung ziemlich aufgelockert und dann wurde mir auch bewusst, dass es gar nicht nötig ist, nervös zu sein, geschweige denn sich Sorgen zu machen. Die Arbeit sollte Spass machen und das tat sie dann tatsächlich auch. Vor der Probe jedoch hatten Lilja und ich noch eine Zwischenstunde. Wir gingen also sofort zur Bühne 2 und haben versucht die Szene uns vorzustellen. Da wir beide den Prologos bei der Zwischenpräsentation kurz aufgeführt haben, waren wir sehr vertraut mit dieser Textstelle.
Wir haben gleich entschieden, in den gleichen Rollen wie bei der Zwischenpräsentation zu bleiben. Das bedeutet: Lilja als Ismene und ich als Antigone. Wir nahmen also unser Skript und haben den Text zuerst einmal laut vorgelesen. Dann haben wir uns überlegt, wo wir uns denn eigentlich befinden. Das Bühnenbild macht uns noch ein wenig zu schaffen, daher konnten wir uns noch nicht einigen, ob die Szene draussen oder doch lieber im Haus spielen sollte. Für den Beginn haben wir uns vorgestellt, dass wir uns draussen befinden und Antigone Ismene sucht. Wir sind mehrmals die Szene durchgegangen und haben wirklich versucht uns in die Rollen hineinzuleben. Die Bewegungsabläufe spielten eine grosse Rolle und daher haben wir diese auch sofort mit einem Kugelschreiber in unser ausgedrucktes Skript notiert. Wir konnten auch schon schnell bestimmen, in welchem Tonfall sie bestimmte Textstellen sagen und welche Gesten dabei machen sollten. Es lief eigentlich wie am Schnürchen.
Lilja und ich hatten keine Meinungsverschiedenheiten und haben uns somit sehr gut ergänzt.
Dann war es endlich soweit. Die erste Probe. Shedea und Jenny wirkten sehr glücklich und es ist sofort eine sehr angenehme Stimmung entstanden. Bei Jenny wusste ich schon wie ihre Art zu schauspielern ist, jedoch nicht bei Shedea. Ich habe sie gestern das erste Mal kennengelernt und war daher sehr gespannt, sie als Schauspielerin zu sehen. Glücklicherweise kann ich sagen, dass ich positiv überrascht war. Ich hatte zu Beginn meine Bedenken, weil sie die Einzige war, die ich nicht kannte, aber sie konnte mich schon in den ersten paar Minuten für sich gewinnen. Sie redet sehr laut und deutlich, was sehr wichtig im Theater ist. Ich denke, dass wir eine gute Wahl getroffen haben und freue mich schon auf die Zusammenarbeit mit ihr.
Die erste Probe verlief im grossen und ganzen gut. Lilja war noch nicht so überzeugt, aber ich denke, dass man das nie sein kann beim ersten Mal. Schliesslich haben Lilja und ich uns ein Bild in den Kopf gebrannt, wie alles in etwa sein sollte und unsere Erwartungen gleich zu übertreffen, war natürlich nicht einfach. Trotz allem war ich sehr glücklich, da es einfach auch mal schön war, den Text von jemand anderen als uns selbst zu hören.
Wir mussten natürlich auch viele Inputs geben und sind ihnen daher auch mehrmals ins Wort gefallen. Uns war es nämlich wichtig, gleich zu Beginn alles zu klären und ihnen zu vermitteln, wie wir es gerne haben möchten.
Natürlich sind sie noch nicht so vertraut mit dem Text, da sie ihn ja auch erst gestern gekriegt haben, was aber unsere Schuld ist. Ich denke, dass wir noch nicht zu viel von ihnen erwarten dürfen und uns einfach mal ein bisschen zurücklehnen und überraschen lassen sollten. Die nächste Probe wird womöglich wieder komplett anders aussehen. Bis dann haben sie nämlich noch einmal Zeit, über alles nachzudenken was wir gesagt haben und den Text zu lernen.
Der Tag war meiner Meinung nach sehr gelungen. Jenny und Shedea waren total bei der Sache und haben alles was wir ihnen angeorndet haben, sofort aufgenommen und ins Skript notiert. Ebenso Lilja und ich. Schon jetzt mussten wir ein paar kleine Textänderungen vornehmen, da wir an manchen Stellen zum Beispiel Wörter gefunden haben, die überflüssig waren oder nicht gut klangen.
Ich habe mich wie eine richtige Regisseurin gefühlt und muss sagen, dass es mir tatsächlich gut gefallen hat. Schliesslich ist das Stück unsere Interpretation von "Antigone" und ich kann das tolle Gefühl gar nicht beschreiben, wie gut es sich angefühlt hat, den Text endlich einmal die Rollen lebendig zu sehen. Ich freue mich schon auf nächste Woche.
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