verfasst von Tijana
So! Viel Zeit ist vergangen. Ferien und kein Internet. Ja, das sind leider Bedingungen, die die Maturaarbeit ziemlich erschweren. Jetzt bin ich jedoch frisch und erholt wieder zurück in der Schweiz und bereit von meiner Arbeit zu berichten. Nachdem Lilja nun den ganzen Text angeschaut und Änderungen vorgenommen hat, war nun ich an der Reihe. Mein erster Stopp war in Griechenland. Ich denke, dass es keinen besseren Platz auf der Welt gibt, Antigoneo endlich fertigzuschreiben. Nachdem ich mich seit einer Zeit nicht mehr mit dem Text auseinandergesetzt habe, war ich nun mit einem klareren Kopf denn je bei der Sache. Plötzlich sind mir die ganzen Kritikpunkte von Frau Ferrari viel extremer aufgefallen wie zuvor. Man hat stark gemerkt, dass zwei Personen den Text geschrieben haben und dass er deshalb nicht wirklich homogen war. Meine Arbeit war es nun, den ganzen Text homogener zu schreiben. Viele Textstellen haben mir beim Durchlesen überhaupt nicht mehr gefallen. Dies hat mich verwundert, da ich sie beim ersten Schreiben super fand. Jetzt wird mir auch bewusst, dass es absolut unmöglich ist, einen Text zu verfassen und zu denken, er wäre gut so. Wahrscheinlich bräuchten wir ein ganzes Jahr, um unser Wunschtheater auf die Beine zu stellen. Leider fehlt uns die Zeit dazu. Daher habe ich mir als Ziel gesetzt, den Text so gut wie möglich noch in diesen Ferien fertigzustellen. Schliesslich möchten wir bald mit den Proben beginnen!
Und nun zur Arbeit: Ich hatte keine spezielle Technik oder Vorgehensweise. Ich habe ganz einfach bei Seite eins begonnen und mich so bis zur letzten langsam vorgetastet. Viele Formulierungen waren mir immer noch zu alt geschrieben und zu nah an der alten Version von "Antigone". Schliesslich möchten wir unseren Zuschauern eine Geschichte bieten, die gut verständlich ist. Natürlich ist sie für uns super verständlich, da wir uns auch seit Monaten mit dieser Geschichte befassen. Für Zuschauer, die die Geschichte noch nicht kennen war alles viel zu kompliziert verfasst. Also habe ich mir einen Block und einen Kugelschreiber zur Hand genommen und einfach begonnen alles neu aufzuschreiben. Da ich mit meiner Familie jeden Tag am Strand war, konnte ich meinen Laptop nicht mitnehmen und habe es daher von Hand geschrieben. Ich habe immer wieder ein bisschen daran gearbeitet, wenn ich ein paar freie Minuten hatte. Am Abend konnte ich dann die überarbeitete Version auf meinen Computer übertragen.
| Aussicht von der Terrasse in Griechenland |
Ich muss schon sagen, dass mit so einer wunderschönen Aussicht, einem die Arbeit schon gleich viel viel einfacher fällt.
Der Prologos dauerte zu Beginn sehr lange, bis er mir endlich gefiel. Ich habe versucht Ismene klarer zu definieren. Sie ist Antigones grosse Schwester und sehr besorgt um sie. Einmal sagt sie zum Beispiel:
(weint) "Ich glaube dir kein Wort! Das kann doch nicht wahr sein!"
Damit wollte ich zeigen, dass Ismene sehr geschockt von der Nachricht ist, dass Polyneikes nicht begraben werden darf. Daher möchte sie Antigone gar nicht glauben. Durch das Weinen wird ihr Schmerz noch weiter hervorgehoben. In der Originalversion von "Antigone" kommt Ismene nur kurz vor und man erfährt auch nicht besonders viel über sie. Daher war es für uns zu Beginn schwierig, ihr einen Charakter zu geben. Schlussendlich muss man auch sagen, dass wir sie bewusst nicht zu viel hervorheben wollten, da der Fokus nicht auf ihr, sondern mehr auf Antigone und Kreon gelegt werden sollte. Trotzdem sind wir froh, dass wir ihr eine tolle Persönlichkeit geben konnten und hoffen natürlich auch, dass sie das Publikum mögen wird.
1. Epeisodion:
Beim ersten Epeisodion gefiel mir der Anfang nicht besonders gut. Hier treten der Chor und Kreon zum ersten Mal auf. Es ist wichtig gleich zu klären, dass Kreon nun der Herrscher ist. Das habe ich so eingefädelt, dass der Chor aus dem Publikum tritt und dem Publikum mitteilt, dass die Bürger an die Götter glauben und sich an ihre Gesetze halten. Auf der Erde jedoch ist Kreon ihr Herrscher, denn er sorgt für Recht, Ordnung und das Wohl Aller. Dies war in unserer alten Fassung noch nicht so klar definiert. Jetzt hoffe ich, dass der Aspekt des weltlichen/göttlichen Gesetzes klarer und verständlicher ist.
Exodus 2. Teil:
Beim Schluss hat mir das gewisse Etwas gefehlt. Ich habe lange überlegt, wie man das Ganze schön abrunden könnte. Nach tagelangem Überleben und dem ständigen Überarbeiten des Texts, kam mir eine sehr schöne Idee in den Sinn. Zum Schluss steht der Chor alleine auf der Bühne. Sie reden nur über Kreon und blasen dann die Kerzen für die Toten aus. Jedoch wird nicht mehr über die Verstorbenen gesprochen. Daher dachte ich mir, dass der Chor zu jedem noch ein paar letzte Worte sagen könnte, die die Geschichte des jeweiligen Toten kurz zusammenfasst. So kann sich auch der Zuschauer nochmals an die Geschichten der Charaktere zurück erinnern. Auf den Abschlusssatz hat mich meine Mutter gebracht. Sie meinte, dass es ja eigentlich so ist, dass sie alle schlussendlich gegen ein grosses göttliches Gesetz verstossen haben, nämlich, sich das Leben zu nehmen. Das Volk ist sehr gläubig und haltet sich eigentlich an die göttlichen Gesetze. Somit ist der Schluss widersprüchlich, da sie trotz ihrem Glauben gegen ein göttliches Gesetz verstossen.
Im Text sieht das Ganze so aus: "Alle drei haben gemeinsam gegen ein grosses göttliches Gesetz verstossen, sich das grosse Geschenk, das Leben, zu nehmen. Wir werden für sie beten."
Ich muss zugeben, dass ich nun richtig begeistert von dem Schluss bin. Ich gab Said die Textstelle zu lesen und er meinte, dass er sofort Gänsehaut bekommen hat. Ich denke, dass dies ein wirklich gutes Zeichen ist.
Den Text beendete ich in den Bergen in Serbien. Das Wetter war sehr kühl und daher fiel es mir auch nicht schwer, mich mit unserer Maturaarbeit zu beschäftigen. Die Atmosphäre war wunderschön und ich war sehr froh, konnte ich den Text an so einem schönen Ort fertig schreiben.
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| Zlatibor, Serbien |
Jetzt hoffe ich natürlich, dass Frau Ferrari und Herr Schatzmann unsere Bemühungen sehen und ihnen der Text gefallen wird. Sich in den Sommerferien an die Arbeit zu setzen, war leider nicht immer so einfach. Oftmals fehlte einfach die Motivation vor allem, wenn man umgeben von seiner Familie ist und schnell abgelenkt wird. Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so lange dauern wird, den Text zu überarbeiten. Leider konnte ich mir nicht jeden Tag Zeit nehmen und wenn, dann manchmal nur für eine Stunde. Somit hat sich das Ganze ziemlich in die Länge gezogen. Auch das Lilja und ich die ganzen Sommerferien getrennt waren, machte die Arbeit nicht einfacher. Jedoch fand ich es gut, dass sie sich mit dem Regiekonzept beschäftigt hat und ich mich dafür gegen Ende mehr mit dem Text. Alles zusammen zu schreiben war schlichtweg einfach nicht möglich. Nach den Sommerferien werden wir uns aber definitiv zusammensetzen und alles zusammen anschauen.
Die Sommerferien neigen sich nun langsam dem Ende zu. Die Zeit verging wie im Flug und ich kann mir noch gar nicht vorstellen, in ein paar Wochen mit den Proben zu beginnen. Ich hoffe, dass unsere Schauspieler genauso begeistert von dem Stück sind wie wir. Man kann wirklich sagen, dass wir unser ganzes Herz und viel Schweiss in den Text gesteckt haben. Wenn ich ihn durchlese, dann gefällt er mir richtig gut. Ich bin froh, dass wir so etwas Grosses schon erreicht haben und bin gespannt auf die nächsten Schritte.

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