4 Stunden, in Brugg
verfasst von Lilja
Bei unserer Zwischenabgabe, wurde an der ersten Fassung des Skripts bemängelt, dass es nicht homogen genug geschrieben ist. Das heisst, dass nicht alles "modern" geschrieben wurde und noch zu nahe bei den beiden Reclam Übersetzungen, die aus dem 19. Jahrhundert stammen, ist. Das war zuerst natürlich ein Schlag ins Gesicht für uns, doch wir wussten, dass die erste Fassung wirklich nur eine erste Fassung war und noch viel geändert und umgeschrieben werden musste. Deshalb konnten wir diesen Punkt nachvollziehen. Als Tijana und ich jedoch das Skript nochmals durchgegangen sind, sind uns sofort diese komischen Begriffe, Ausdrücke und schrägen Sätze aufgefallen. Sie haben förmlich rausgestochen und wir sahen, wie unrein das Ganze geschrieben war.
Deshalb habe ich mir heute nochmals Zeit genommen und das gesamte Skript Stück für Stück durchgelesen und allen alten Begriffen den Kampf angesagt. Ich habe versucht alles so gut in unsere Zeit zu "übersetzten" und zudem habe ich auch noch einige Grammatik und Kommafehler entdeckt. Es war auch gut, dass ganze Stück nochmals zu lesen, denn so konnte ich wieder in die Geschichte eintauchen und wusste, um was es geht und was noch nicht gut war. Ich hatte auch immer die anderen Kritikpunkte im Hinterkopf.
Zum Beispiel habe ich den Konflikt zwischen Alleinherrschaft und Demokratie versucht aufzunehmen und geschickt in einem Stasimon zu verstecken. Der Chor spricht an, wie viel einfacher es doch wäre, wenn die Macht aufgeteilt würde und berichtet sogar von der Vergangenheit, wo so etwas gut und gäbe gewesen sei. Natürlich muss man diese Szenen und Pointen noch genauer ausfeilen, aber ich denke, der Grundstein ist somit gelegt.
Ich habe auch noch Ismenes Figur geändert. Wir haben beschlossen, dass wir sie zur grossen Schwester machen, zur Vernünftigen, die Antigone von der Tat abbringen will und zudem davon spricht, dass sie ihren Eltern versprochen hat, auf ihre kleine Schwester aufzupassen. Das liefert auch ein gutes Motiv für ihren Selbstmord. Sie kann nicht verkraften, dass sie versagt hat, ihre kleine Schwester zu beschützen.
Tijana und ich sind stolz darüber, dass wir der Rolle Ismene so eine neue Bedeutung verschaffen konnten.
Das Schwierige heute war, dass ich mir nicht immer sicher war, was alles zu "alt" geschrieben ist und ich gerne jemanden zur Seite gehabt hätte, der mit mir das Ganze durchgegangen wäre. Aber Tijana ist nun mal in den Ferien, was ich ihr auch von Herzen gönne und ich selber später auch noch machen werde. Morgen werde ich nochmals über den Text gehen, es ist jetzt schon spät und es kommt nichts Klares mehr in meinen Kopf zusammen. Aber ich bin zufrieden, konnte ich so konzentriert arbeiten.
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